Eichenprozessionsspinner

Thaumetopoea processionea

Eiche am Parkweg mit Gespinstnest und Raupenprozession am Stamm, Absperrband
Inhalt dieser Seite
  1. Auf einen Blick
  2. Woran Sie den Befall erkennen
  3. Warum die Tiere da sind
  4. Was Sie sofort tun können, und was nicht
  5. So arbeitet der Fachbetrieb
  6. Recht und Pflichten
  7. Vorbeugen
  8. Was es kostet
  9. Häufige Fragen
  10. Fachbetrieb finden

Ein filziger Beutel am Stamm der alten Eiche, eine Raupenkette über den Gehweg, abends juckende Quaddeln an Armen und Hals: Das ist meist der Eichenprozessionsspinner. Diese Seite zeigt, woran Sie den Befall erkennen, wie ein spezialisierter Fachbetrieb arbeitet, wer für den Baum verantwortlich ist und wie die Kosten je Termin zustande kommen.

Auf einen Blick

Merkmal Eichenprozessionsspinner
Fachname Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea), ein Nachtfalter
Erkennen Raupen bis 4 cm, graugelb mit dunklem Rückenstreifen und langen silbrigen Haaren; Falter graubraun, Spannweite 25 bis 32 mm; filzige Nester an Stamm und Astgabeln
Typische Orte Eichen, besonders frei stehende, sonnige Bäume an Straßen, Schulhöfen, Waldrändern, in Gärten
Aktiv Raupen Ende April bis Ende Juni, Brennhaare ab Mai; Falter Juli und August; alte Nester bleiben Jahre gefährlich
Risiko Brennhaare mit dem Nesselgift Thaumetopoein: Hautausschlag, Bindehautentzündung, Hustenreiz bis Atemnot, selten allergischer Schock
Recht Flächeneigentümer verantwortlich; Biozide nur zugelassen und von Sachkundigen; Naturschutz für Vögel und Fledermäuse im Baum
Wer hilft Fachbetrieb mit Saugtechnik; an Straßenbäumen die Kommune; im Mietshaus die Hausverwaltung
Eichenprozessionsspinner-Raupe in Seitenansicht: graugelb, dunkler Rückenstreifen, lange silbrige Haare

Woran Sie den Befall erkennen

Das deutlichste Zeichen sind die Gespinstnester: weißliche bis braune, filzige Beutel am Stamm, in Astgabeln oder unter dicken Ästen. Sie werden bis zu einem Meter lang und sind mit Häutungsresten, Kot und Brennhaaren gefüllt. Die Raupen sind bis vier Zentimeter lang, graugelb mit breitem dunklem Rückenstreifen, rotbraunen Samtfeldern und langen silbrigen Haaren. Abends ziehen sie in Reihen zum Fressplatz, in Prozessionen von Baum zu Baum, auch über Wege.

Ein zweites Zeichen ist die Krone: Lochfraß im Mai, bei Massenbefall kahle Eichen im Juni. Das dritte zeigt sich an den Menschen: juckende Quaddeln nach einem Aufenthalt unter Eichen, oft erst Stunden später. Gespinstmotten überziehen dagegen ganze Büsche mit weißen Schleiern, aber keine Eichen; Schwammspinnerraupen laufen einzeln und bauen keine Nester.

Eichenprozessionsspinner-Nest am Stamm einer Eiche: filziger Gespinstbeutel an der Astgabel

Warum die Tiere da sind

Der Eichenprozessionsspinner ist eine heimische Art, die Wärme und Trockenheit mag. Die Weibchen legen ihre Eier im Sommer oben in die besonnte Krone; die Jungraupen überwintern im Ei und schlüpfen, sobald die Eiche austreibt. Befallen werden darum vor allem frei stehende, gut besonnte Eichen an Straßen, Schulhöfen, Waldrändern und in Gärten. Warme Frühjahre und trockene Sommer lassen die Bestände anwachsen; die Art neigt zu Massenvermehrungen über mehrere Jahre. Wer einen Befall hatte, hat im Folgejahr meist wieder einen, weil Eigelege im Baum bleiben und Puppen ein bis zwei Jahre überliegen können.

Eichenprozessionsspinner an sonnigen Straßeneichen: frei stehende Eichenallee am Schulhof

Was Sie sofort tun können, und was nicht

Sinnvoll

  • Nester und Prozessionen aus Abstand fotografieren, Standort notieren
  • Bereich provisorisch absperren, Kinder und Hunde fernhalten
  • Befall melden: Straßenbäume und Parks der Kommune, Mietshaus der Hausverwaltung, eigenes Grundstück einem Fachbetrieb
  • Nach Kontakt duschen, Haare waschen, Kleidung wechseln und waschen
  • Bei Ausschlag nicht kratzen, bei Augenbeschwerden oder Atemnot ärztliche Hilfe holen

Besser nicht

  • Nester selbst abschneiden, abkratzen oder absaugen, auch nicht im eigenen Garten
  • Nester abflammen oder abspritzen: die Brennhaare verteilen sich und bleiben im Boden
  • Raupen mit Insektiziden aus dem Baumarkt besprühen, das trifft Nützlinge
  • Befallene Äste in Biotonne oder Kompost geben, die Haare bleiben dort jahrelang wirksam
  • Alte, leere Nester als harmlos ansehen

So arbeitet der Fachbetrieb

  1. Befallsaufnahme. Der Betrieb bestimmt die Art, zählt Nester und Bäume, prüft Höhe, Zugänglichkeit und Nutzung der Fläche und sieht nach, ob Vogelnester oder Fledermausquartiere im Baum sind.
  2. Absperren und Zeitplan. Während der Arbeiten wird der Bereich abgesperrt, Anwohner werden informiert. Das beste Zeitfenster liegt zwischen Mitte Mai und Mitte Juni: die Nester sind ausgebildet, die Falter noch nicht ausgeflogen.
  3. Absaugen. Im Vollschutzanzug mit Haube, Atemschutz und Handschuhen saugt der Techniker Nester, Raupen und Häutungsreste mit einem Spezialsauger mit Feinstaubfilter ab, von der Hebebühne oder mit Teleskoprohr vom Boden.
  4. Entsorgung. Das abgesaugte Material ist Abfall und geht in dicht schließenden Behältern in die Verbrennung, nicht in Biotonne oder Kompost.
  5. Spritzung und Folgejahr. Bei einem ganzen Bestand kann der Betrieb vor dem dritten Raupenstadium, meist Ende April bis Anfang Mai, ein zugelassenes Biozid mit dem Bakterium Bacillus thuringiensis in die Krone spritzen: nur bei windstillem, trockenem Wetter, mit Abstand zu Gewässern, nie in Schutzgebieten. Im Folgejahr kontrolliert er den Baum erneut und dokumentiert alle Schritte.
Fachbetrieb saugt ein Eichenprozessionsspinner-Nest ab: Techniker im Vollschutz auf der Hebebühne

Ein seriöser Betrieb sagt Ihnen, ob ein Nest entfernt werden muss, und nennt die Zahl der Termine als Schätzung, nicht als Festpreis für die ganze Maßnahme.

Recht und Pflichten

Verantwortlich für einen befallenen Baum ist, wem die Fläche gehört: auf dem eigenen Grundstück Sie, an Straßenbäumen, in Parks und auf Schulhöfen die Kommune. Für Bäume an öffentlichen Wegen gilt die Verkehrssicherungspflicht; ob darüber hinaus Schadensersatz fällig wird, haben Gerichte unterschiedlich beurteilt.

Dient die Bekämpfung dem Schutz von Menschen, gilt das Biozidrecht: Mittel müssen dafür zugelassen sein und dürfen nur sachkundige, berufsmäßige Verwender ausbringen; im Wald gilt das Pflanzenschutzrecht. Der Falter selbst ist nicht geschützt, wohl aber Vögel und Fledermäuse im Baum: Das Bundesnaturschutzgesetz (§ 39) verbietet, wild lebende Tiere ohne vernünftigen Grund zu stören, und untersagt außerhalb des Waldes vom 1. März bis 30. September den Rückschnitt von Bäumen. Mieter eines Hauses mit Garten melden den Befall schriftlich dem Vermieter; wer selbst beauftragt, zahlt zunächst.

Vorbeugen

  • Eichen am Haus ab Ende April wöchentlich auf Stamm und Astgabeln ansehen
  • Nester früh melden; ein Absaugen im Mai ist einfacher als eines im Juli
  • Kinder, Hunde und Katzen in der Raupenzeit von befallenen Eichen fernhalten
  • Wäsche, Kinderwagen und Spielzeug nicht unter befallenen Eichen abstellen
  • Meisen fördern: Nistkästen in der Nähe, aber nicht direkt in die befallenen Eichen
  • Alte Nester im Winter entfernen lassen, bevor sie zerfallen

Was es kostet

Fachbetriebe rechnen je Termin ab: ein Termin für Aufnahme und Absaugen, dazu Kontrolltermine im Folgejahr. Was ein Termin kostet, hängt von Zahl und Höhe der Nester, Hebebühne, Absperrung, Entsorgung und Anfahrt ab; fragen Sie nach dem Preis je Termin und der geschätzten Zahl der Termine. Weil die Zahl der Termine vorab nicht feststeht, ist ein Festpreis für die komplette Maßnahme ein Warnzeichen. Für Privathaushalte sind die Arbeitskosten als haushaltsnahe Dienstleistung (§ 35a EStG) zu 20 Prozent von der Steuer absetzbar, Rechnung und Überweisung vorausgesetzt.

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Häufige Fragen

Ist der Befall auch im Winter gefährlich?

Ja. Leere Nester enthalten Brennhaare, die mehrere Jahre wirksam bleiben, auch in der Streu darunter. Lassen Sie alte Nester darum entfernen.

Darf ich das Nest an meiner Eiche selbst entfernen?

Behörden raten klar ab, auch im privaten Garten. Beim Abkratzen lösen sich unzählige Brennhaare und bleiben in Rasen und Beeten. Das Absaugen gehört in die Hände eines Betriebs mit Spezialsauger und Vollschutz.

Wer ist zuständig, wenn die Eiche an der Straße steht?

Die Kommune, meist das Grünflächen- oder Ordnungsamt. Melden Sie Standort und Fotos. Steht der Baum auf Ihrem Grundstück, sind Sie verantwortlich.

Hilft eine Spritzung gegen die Raupen?

Nur in einem kurzen Zeitfenster, bevor die Raupen Brennhaare bilden, und nur mit einem zugelassenen Biozid. Das Umweltbundesamt rät, zuerst zu prüfen, ob Absperren und Absaugen ausreichen.

Fachbetrieb finden

Geben Sie oben Ihren Ort ein. Sie sehen nur Betriebe, die Ihren Ort als Einsatzgebiet angeben und den Eichenprozessionsspinner bekämpfen, mit Nachweisen und Prüfdatum.

Passende Leistungen

  • Eichenprozessionsspinner

    Absaugen und Entfernen von Nestern des Eichenprozessionsspinners an Bäumen, Schutzausrüstung erforderlich.