Papierfischchen

Ctenolepisma longicaudatum

Archivraum mit Kartons und Papierstapeln, Schreibtischlampe, ein Papierfischchen auf einem Blatt
Inhalt dieser Seite
  1. Auf einen Blick
  2. Woran Sie den Befall erkennen
  3. Warum die Tiere da sind
  4. Was Sie sofort tun können, und was nicht
  5. So arbeitet der Fachbetrieb
  6. Recht und Pflichten
  7. Vorbeugen
  8. Was es kostet
  9. Häufige Fragen
  10. Fachbetrieb finden

Ein flinkes graues Insekt mit langen Schwanzfäden huscht abends über den Flur, in der Bücherkiste fehlen Seitenränder, auf dem Regalboden liegt feines dunkles Pulver: Papierfischchen fallen lange nicht auf und sitzen dann oft in mehreren Räumen. Diese Seite zeigt, wie Sie sie von Silberfischchen unterscheiden, was Sie selbst tun können, wie ein Fachbetrieb vorgeht, was rechtlich gilt und mit welchen Kosten je Termin Sie rechnen können.

Auf einen Blick

Merkmal Papierfischchen
Fachname Papierfischchen (Ctenolepisma longicaudatum), verwandt mit dem Silberfischchen
Erkennen Körper 11 bis 15 mm ohne Anhänge, grau bis graubraun, behaart, Fühler und drei Schwanzfäden etwa körperlang
Typische Orte Trockene beheizte Räume: Wohnungen, Büros, Neubauten, Archive, Bibliotheken; tagsüber in Ritzen
Aktiv Nachts und in der Dämmerung, ganzjährig; bei starkem Befall auch bei Licht
Risiko Keine Gesundheitsgefahr; Schab- und Lochfraß an Papier, Büchern, Fotos, Tapeten und Kartons
Recht Kein Schutzstatus, keine Meldepflicht; Biozide nur als zugelassene Produkte; im Mietshaus meist Mangel der Mietsache
Wer hilft Fachbetrieb; im Mietshaus die Hausverwaltung; in Archiven und Museen die Bestandserhaltung
Papierfischchen in Nahaufnahme: graues Insekt mit drei fast körperlangen Schwanzfäden auf einer Buchseite

Woran Sie den Befall erkennen

Das erste Zeichen ist oft das Tier selbst, abends im Flur, im Bad oder neben dem Bücherregal. Entscheidend sind die drei Schwanzfäden am Hinterleib: beim Papierfischchen fast so lang wie der ganze Körper, beim Silberfischchen deutlich kürzer. Dazu kommen bis zu 15 Millimeter Körperlänge, eine matte graue bis graubraune Färbung und eine feine Behaarung an Kopf und Rumpf.

Die Spuren am Papier sind typisch: Schabfraß, bei dem die Oberfläche flächig abgetragen ist und die Schrift verblasst, und unregelmäßige Löcher mit ausgefransten Rändern an Buchseiten, Etiketten, Fotos und Tapeten. Dazu kommen feiner dunkler Kot wie Pulver und helle Häutungsreste auf Regalböden und in Kartons.

Papierfischchen im Archiv: Schabfraß an Akten und Klebefalle am Boden vor dem Regal

Weil die Tiere nachts laufen, zeigt eine Klebefalle am Boden an der Wand nach einer Woche verlässlicher als jede Sichtung, wie viele Tiere da sind. Für die Anfrage beim Fachbetrieb reicht ein Foto mit Lineal.

Warum die Tiere da sind

Papierfischchen kommen nicht aus dem Garten, sondern mit Dingen ins Haus: Pakete aus Wellpappe, Umzugskartons, Büromaterial, Baumaterial. Der Versandhandel hat die Art in viele Gebäude getragen. Drinnen genügen ihnen Zimmertemperatur und mittlere Luftfeuchte, und Nahrung gibt es überall: Papier, Karton, Tapetenkleister, Staub. Neubauten sind oft betroffen, weil Sockelleisten, Zargen und Leichtbauwände viele Fugen bieten und die Tiere mit den Umzugskisten gleich einziehen. Da ein Weibchen etwa 50 Eier im Jahr in Ritzen ablegt, die Entwicklung aber Jahre dauert, wächst der Bestand langsam und bleibt lange unbemerkt. In Mehrfamilienhäusern wandern die Tiere von Wohnung zu Wohnung.

Papierfischchen im Neubau: gestapelte Umzugskartons und Pakete an der Wand einer frisch bezogenen Wohnung

Was Sie sofort tun können, und was nicht

Sinnvoll

  • Tiere im Glas fangen oder fotografieren, Fundorte und Fraßstellen notieren
  • Klebefallen am Boden an Wänden und hinter Regalen auslegen, wöchentlich prüfen
  • Kartons und Wellpappe entfernen, Pakete künftig sofort auspacken
  • Papiere, Fotos und Bücher in dichte Kunststoffboxen umlagern
  • Böden, Fugen und Regale gründlich saugen, Staub ist Nahrung
  • Im Mietshaus die Hausverwaltung schriftlich informieren

Besser nicht

  • Sprays oder Streumittel breit verteilen; in den Ritzen kommt nichts an, bei Bewohnern und Haustieren schon
  • Nebelgeräte einsetzen, sie erreichen die Verstecke nicht
  • Räume austrocknen oder stark heizen; Papierfischchen kommen mit trockener Luft zurecht
  • Aushungern versuchen, die Tiere überstehen lange Hungerphasen
  • Befallene Bücher oder Kartons in andere Räume bringen, so wandert der Befall mit

So arbeitet der Fachbetrieb

  1. Befallsfeststellung. Der Techniker bestimmt die Art, denn bei Silberfischchen wäre Feuchte das Thema, legt Klebefallen in allen Räumen aus und wertet sie nach ein bis zwei Wochen aus: wo die Tiere sitzen und in welcher Zahl.
  2. Verstecke und Quellen finden. Sockelleisten, Fugen hinter Regalen, Bilderrahmen und Kartonlager werden abgesucht, Kartons entfernt. In Mehrfamilienhäusern klärt der Betrieb mit der Hausverwaltung, welche Wohnungen betroffen sind.
  3. Gezielte Behandlung. Fraßköder in Gelform mit zugelassenem Wirkstoff kommen punktweise in Ritzen, hinter Sockelleisten und unter Schränke, außer Reichweite von Kindern und Haustieren; Spritzmittel nur gezielt an Fugen, nie als Nebel. In Archiven, Bibliotheken und Museen gilt Integriertes Schädlingsmanagement: Bestände werden bei minus 20 Grad eingefroren oder unter Stickstoff behandelt, Biozide sind die letzte Stufe.
  4. Verstecke schließen. Fugen an Boden und Wand werden abgedichtet, Regale von der Wand abgerückt, Türschwellen gesichert.
  5. Nachkontrolle und Dokumentation. Weil Eier in Ritzen von der Behandlung nicht erreicht werden, laufen die Klebefallen über Monate weiter; der Betrieb setzt Köder nach und dokumentiert die Fundzahlen je Raum, bis die Fallen leer bleiben.
Fachbetrieb bei Papierfischchen: Techniker setzt Ködergel in die Fuge hinter der Sockelleiste

Ein seriöser Betrieb zeigt Ihnen die Fallenzahlen und schätzt die Zahl der Termine, ohne einen Festpreis für die ganze Maßnahme zu versprechen.

Recht und Pflichten

Papierfischchen stehen nicht unter Naturschutz, eine Meldepflicht gibt es nicht; eine Gesundheitsgefahr geht laut Umweltbundesamt von den Tieren nicht aus. Biozide dürfen nur als zugelassene Produkte eingesetzt werden; Fachbetriebe dokumentieren Wirkstoff und Einsatzorte.

Mieter und Vermieter: Wer den Fachbetrieb beauftragt, zahlt zunächst die Rechnung. Ein Befall ist in der Regel ein Mangel der Mietsache, den der Vermieter beseitigen lässt. Der Verursacher ist oft nicht festzustellen, weil die Tiere mit Paketen, Umzugskisten oder dem Baumaterial kommen und in Neubauten mehrere Wohnungen betreffen. Hat ein Mieter den Befall nachweislich verursacht, kann der Vermieter die Kosten zurückfordern. Melden Sie den Befall deshalb früh und schriftlich.

Vorbeugen

  • Pakete im Flur oder vor der Tür auspacken, Wellpappe sofort nach draußen bringen, keine Kartons lagern
  • Umzugskartons nach dem Umzug nicht aufheben, gebrauchte Kartons gar nicht erst annehmen
  • Papiere, Fotos, Bücher und Akten in dicht schließenden Kunststoffboxen aufbewahren, nicht in Pappe
  • Fugen an Sockelleisten, Türzargen und Rohrdurchführungen schließen, Regale mit Abstand zur Wand stellen
  • In Archiven und Büros Neuzugänge im Eingangsbereich prüfen, Klebefallen dauerhaft als Frühwarnung auslegen

Was es kostet

Fachbetriebe rechnen je Termin ab: ein erster Termin mit Artbestimmung und Klebefallen, dann Behandlung, danach Nachkontrollen, jede einzeln berechnet. Was ein Termin kostet, hängt von Gebäudegröße, Zahl der Räume, Anfahrt und Abdichtungsarbeiten ab und ist von Betrieb zu Betrieb verschieden; fragen Sie nach dem Preis je Termin und der geschätzten Terminzahl. Da niemand vorher weiß, wie viele Termine nötig sind, ist ein Festpreis für die komplette Maßnahme ein Warnzeichen. Für Privathaushalte sind die Arbeitskosten als haushaltsnahe Dienstleistung (§ 35a EStG) zu 20 Prozent von der Steuer absetzbar, Rechnung und Überweisung vorausgesetzt.

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Häufige Fragen

Papierfischchen oder Silberfischchen?

Papierfischchen sind mit bis zu 15 Millimetern größer, matt grau bis graubraun und tragen drei fast körperlange Schwanzfäden. Silberfischchen glänzen silbrig, bleiben unter einem Zentimeter, haben kurze Schwanzfäden und brauchen feuchte Räume.

Kann ich Papierfischchen selbst loswerden?

Bei wenigen Tieren helfen Kartons entsorgen, Papier in Boxen lagern, Fugen schließen und Klebefallen. Ein eingewachsener Befall mit Eiern in den Ritzen ist so selten zu beenden, weil die Tiere lange hungern können und sich über Jahre entwickeln; dann hilft der Fachbetrieb.

Wie lange dauert die Bekämpfung?

Länger als bei den meisten Schädlingen: Auf Monitoring und Behandlung folgen Nachkontrollen über Monate, weil aus Eiern in Ritzen Jungtiere nachkommen. Bleiben die Fallen längere Zeit leer, gilt der Befall als beendet.

Fachbetrieb finden

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